Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Müller,
im Artikel der NOZ vom 11. März 2026 (»Rastatt in Baden-Württemberg – Wie die Stadt zum AfD-Hotspot wurde«)
https://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/rastatt-in-baden-wuerttemberg-wie-die-stadt-zum-afd-hotspot-wurde-50048988
wird folgende Aussage zitiert:
»Vielleicht trifft es auch das Museum für moderne Kunst. ‚Über eine Schließung wird noch diskutiert‘, sagt Müller.«
In Rastatt existiert jedoch kein Museum mit der Bezeichnung »Museum für moderne Kunst«. Gemeint sein kann nach meiner Kenntnis nur die Städtische Galerie Fruchthalle, die seit Jahrzehnten eine zentrale kulturelle Einrichtung der Stadt darstellt.
Die Galerie zeigt regelmäßig Einzel- und Gruppenausstellungen zeitgenössischer Künstler und präsentiert zugleich Werke aus der städtischen Sammlung mit Schwerpunkt auf Kunst aus Baden und Süddeutschland nach 1945. Darüber hinaus erfüllt sie einen wichtigen Bildungs- und Vermittlungsauftrag durch Führungen, museumspädagogische Angebote sowie begleitende Veranstaltungen wie Künstlergespräche, Lesungen und andere kulturelle Formate.
Vor diesem Hintergrund bitte ich um Auskunft zu folgenden Punkten:
1. Bezieht sich die im genannten Artikel erwähnte mögliche Schließung tatsächlich auf die Städtische Galerie Fruchthalle?
2. Gab oder gibt es innerhalb der Stadtverwaltung Überlegungen oder Gespräche über eine Schließung oder grundlegende Einschränkung des Betriebs der Galerie Fruchthalle?
Falls ja:
– seit wann werden diese geführt und
– in welchem Rahmen (Verwaltung, Haushaltsberatungen, Gemeinderat)?
3. Wurde der Gemeinderat über entsprechende Überlegungen bereits informiert oder damit befasst?
4. Die Galerie verfügt über eine bedeutende städtische Kunstsammlung, darunter auch Werke des international renommierten Künstlers Anselm Kiefer, der seine Schulzeit in Rastatt verbrachte. Welche Planungen bestehen hinsichtlich der Betreuung, konservatorischen Sicherung und Präsentation der Depotbestände, falls der Ausstellungsbetrieb der Galerie eingeschränkt oder eingestellt werden sollte?
5. Mit der städtischen Kunstsammlung hat Rastatt eine dauerhafte kulturpolitische Verantwortung übernommen. Wie gedenkt die Stadt dieser Verantwortung künftig nachzukommen, sollte es zu strukturellen Veränderungen oder einer Schließung der Galerie kommen?
6. Falls tatsächlich Überlegungen zu einer Schließung bestehen sollten: Welche konkreten finanziellen Einsparungen wären dadurch zu erwarten und wie bewertet die Stadtverwaltung diese im Verhältnis zu den kultur- und bildungspolitischen Folgen für die Stadt?
Vor dem Hintergrund der jüngsten Diskussion um die traditionsreiche Matinee zum Tag der Deutschen Einheit – eine Veranstaltung, die über viele Jahre hinweg einen festen Platz im kulturellen Leben der Stadt hatte und deren Fortführung erst nach öffentlicher Diskussion vorläufig gesichert wurde – stellt sich darüber hinaus eine grundsätzliche Frage nach den kulturpolitischen Prioritäten der Stadt Rastatt.
Wenn etablierte kulturelle Einrichtungen oder traditionsreiche Formate zur Disposition gestellt werden, während andere Veranstaltungen weiterhin finanziell unterstützt werden, erscheint eine transparente Darstellung der kulturpolitischen Leitlinien der Stadt umso wichtiger.
Ich bitte daher um eine Stellungnahme zu den genannten Punkten.
Mit besten Grüßen
Philipp Helber